Dienstag, 18. September 2012

Entführung in die reine Phantasie

15.09.12

Ein Burggraben, ein Schloss und riesige Gärten. Das bedeutet: Angekommen in den Schlossgärten zu Arcen in den Niederlanden auf dem Elf Fantasy Fair Festival 2012.

Schon auf dem Parkplatz begegnet man allerlei seltsam, verrückt oder auch anmutig gekleidete Menschen. Ob jung, ob alt, hier ist beinahe jeder verkleidet.

Um in die phantastische Welt von 'Elfia' zu gelangen, führt uns der Weg über die Brücke durch den Torbogen und schon steht man im Vorhof des Schlosses. Die ersten Stände bieten Mangas und alles rund um den Gothicstil. Fotografen fangen Männer und Frauen ab, die in besonders extravaganten Kostümen erschienen sind. Diese Menschen posen im Blitzlichtgewitter und je nach Beschaffenheit der Kleidung kommt man nur im Schneckentempo vorwärts. Wenn man sich von dem Anblick der durchaus schönen Kleider losgelöst hat, kann man im Schloss selbst verschiedenen Lesungen oder Workshops beiwohnen. Wann die einzelnen Veranstaltungen stattfinden, steht für alle gut lesbar auf eine Tafel geschrieben, aber es kann sich auch jeder ein Programmheft mitnehmen und hat somit alle Shows und Konzerte und Lesungen und und und auf einen Blick in der Tasche.

Wer seinen Weg fortsetzten möchte, dem kann es passieren, dass schon wenige Schritte weiter um das Schloss herum der Walking Act 'Rebell Mummy' auf einen wartet und ein kleiner Menschenauflauf das Vorrankommen wieder erschwert, aber wir sind ja auch nicht zum rumrennen hier, sondern um möglichst viel zu sehen und die meisten Menschen sind vor allem hier, um gesehen zu werden. Einmal um das Schloss herum gekommen, befindet man sich in den Gärten, die sich scheinbar endlos weit erstrecken. In der Ferne hört man schon irische Folkmusik, die aber auch von dem ein oder anderen Dudelsack übertönt wird, denn überall ist etwas los.

Auf dem Weg durch die zahlreichen Stände, die alles von Steampunk über Fantasy bis Gothic anbieten, stolpert man über den ein oder anderen riesigen Troll oder über eine kleine Gruppe Pharaonen, passend zum diesjährigen Motto: 'Mumien und Pharaonen'.

Allein an den ganzen Ständen könnte man Stunden verbringen, aber die großen Wiesen, die sich in die Abschnitte 'Celtic Valley', 'Oriental Spheres' und 'Walhalla' teilen, sind nur ein kleiner Teil des gesamten Geländes. Neben dem 'Celtic Valley' befindet sich die 'Vampire Stage', auf der unter anderem die Gruppe 'Maledictus' ihre Shows präsentiert. Direkt neben der 'Vampire Stage' lagert 'Das Bergische Ritterlager', denen man dort bei ihrem Lagerleben oder beim Schmieden zuschauen kann.

Das Bergische Ritterlager

Im kleineren 'Amphi Theatre' findet zwischendurch ein Didgeridoo Workshop statt oder Dave Legeno (Werwolf Greyback in Harry Potter) gibt eine Autogrammstunde, doch alles kann man an einem Tag niemals schaffen, da es einen dann schnell über die Oriental Sphere zur 'Walhalla Stage' führt. Zwischen dieser zweiten Bühne und den eben erwähnten Ständen kann man alles kaufen, was Hunger und Durst stillt. Es gibt alles, was das Herz begehrt. Die Wahl zwischen Crepés, Hanfbrot, Fleischspießen oder Flammkuchen mit einem kühlen Bier oder doch einer Apfelschorle fällt da nicht jedem leicht. Hat man dann doch etwas gefunden, kann man sich auf eine der vielen Bänke setzen und hat die 'Walhalla Stage' dennoch gut im Blick. So kann man ganz entspannt der Musik von 'Vroudenspil' lauschen oder dem Kostümwettbewerb gespannt folgen.

Im Anschluss führt der Weg weiter über die 'Medieval Road', auf der es wieder reichlich Stände und Lager gibt, nun aber, wie der Name schon verrät, ist hier alles eher mittelalterlich gestaltet und auch die Ware ist dementsprechend altertümlich. Nahtlos geht die 'Medieval Road' in den 'Steampunk Park' über, der in diesem Jahr umgezogen ist und nun viel weiter vorne im Gelände liegt, als die letzten Jahre. Dort kann man unter anderem ein Steampunk-Motorrad oder ein selbstgebautes Luftschiff bestaunen, während die Steampunker dort ihr Lager aufgeschlagen haben. Bei Fragen, kann man diese freundlichen Leute natürlich gerne ansprechen. Auch alle übrigen Menschen, denen man dort begegnet sind freundlich und aufgeschlossen, wie sollte es auch anders sein, denn hier sind alle gleich: Verkleidet, verrückt, mystisch oder am besten direkt alles zusammen.

Hat man sich vom viktorianischem Steampunk losgeeist, tragen einen die Schritte in die 'Pirates Fields', in der man wie jedes Jahr die Show der 'Flint´s Buccaneers' sehen kann. Jedoch muss ich ehrlich sagen, dass die Show dieses Mal sehr langweilig und ohne Story war, während sie letztes Jahr noch wirklich spannend war und nicht nur durch das Feuer brannte.

Nun hat man aber die Qual der Wahl, denn der Weg biegt nach links und nach rechts ab. Geradeaus zu gehen wäre unvorteilhaft, da man sonst im See landen würde, der aber einiges zum Feeling in den Gärten beiträgt.

Geht man links, so gelangt man in den 'Dragon´s Lair', in der Süßkram, wie Zuckerwatte, verkauft wird und die Armageddon Group 'Fase 3' lagert. Hinter dem 'Dragon´s Lair' finden sich einige Labyrinthe und Steinpavillions, in der man seine Ruhe haben kann, da sich die breite Masse der Besucher nicht hierhin verirrt. So kann man hier Fotos von sich oder seiner Begleitung machen (lassen), ohne dass ständig irgendwelche anderen Wesen im Hintergrund zu sehen sind und teilweise findet man, mit gutem Auge, wirklich wunderschöne Kulissen.

Bodypainting auf dem 'Star Wars Deck'

Fotoshooting beendet, zurück in den 'Dragon´s Lair' und an den Störchen vorbei, die in den Gärten wohnen. Nun gelangt man zum 'Japanese Square', der nicht nur so heißt, weil Samurais dort ihre Künste vorführen, sondern auch, weil sich zwischen den verwinkelten, schmalen Wegen ein kleiner Tempel verbirgt und am See sogar ein Shinto-Tor steht.

Im 'Star Wars Deck', das eigentlich ein großes Gewächshaus ist, findet in diesem Jahr das Bodypainting statt, das zuvor immer im Schloss zu finden war. Außerdem gibt es Stände vom 'Predator Clan Germany' und der 'Star Wars 501st Legion & Dutch Garrison', an denen auch wieder freundliche Leute (meist Sturmtruppler) einem Rede und Antwort stehen. Ist man einmal durch das gesamte Gewächshaus hindurch gegangen, ist man auf der anderen Seite des Sees angekommen und kann das bunte Treiben aus etwas größerer Entfernung sehen, denn hier ist es nicht ganz so überfüllt, das könnte daran liegen, dass viele nicht wissen, dass das 'Star Wars Deck' zwei Ausgänge hat. Durch den Wald am See entlang kommt man in die 'Dark Woods' und zum 'Lost Lake', an dem dieses Jahr aber nichts weiter ist, außer dem festinstallierten Minigolfplatz. Letztes Jahr befand sich hier eine gruselige Zombie-Area und auch jetzt sind noch vereinzelt blutige Armstücke in den kleinen Teichen zu sehen und grausige Geräusche dringen dumpf aus dem Wald.

Schnell zurück in die Helligkeit, über 'Magic Ground' zurück zu den 'Pirate Fields'. Auch hier befinden sich viele Stände, die aber hauptsächlich Steampunk- und Fantasykram, wie Waffen aus Herr der Ringe, anbieten. Am Ufer des Sees, hinter besagten Ständen, lagern die 'Heimdalls Erben' mit ihrem Wikingerschiff 'Skridur', auf dem man sogar eine Fahrt über den See unternehmen kann. Man muss aber selber rudern.

Spielmann von Sassenachs

Wer nun denkt, man hätte den Rundgang abgeschlossen, der hat sich getäuscht, denn zurück über den 'Magic Ground' betreten wir den 'Water Garden'. Hier kann man Feuerspuckern bei der Arbeit zusehen oder einfach nur über die Brücken und Wege schlendern. Die Wiesen laden zum sitzen und Fotos machen ein. In einem Teich findet man sogar das Auge des Horus, während über einem in den Bäumen blutige Skelletgeister hängen, denn der Blick in das Auge ist tödlich!

Erst mit dem durchqueren des 'Rosariums' hat man das gesamte Gelände durchschritten. Die Rosengärten mit dem großen Brunnen an seinem Ende bieten in diesem Jahr allerdings nur ein wenig Ruhe, denn im letzten Jahr war auch hier eine kleine Bühne aufgebaut, auf der es sanfte Harfen- und Flötenmusik zu hören gab. Nun sind hier aber allerhand Stative und andere Fotoausrüstung aufgebaut, da viele Profis die Kulisse für schöne Fotos nutzen.

Nun sind wir schon fünf oder sechs Stunden unterwegs, da wir an viele Ständen stehen geblieben sind oder andere verkleidete Menschen fotografiert und angeschaut haben. Auch den ein oder anderen Bekannten aus den letzten Jahren haben wir getroffen.

Nun kommen wir zurück in das 'Celtic Valley' und haben nun die Möglichkeit der Spielmannstruppe 'Sassenachs' zu lauschen, die mir ihren Trommeln und dem Dudelsack wirklich gute Stimmung verbreiten. Zwischendurch gesellen sich sogar zwei Bauchtänzerinnen aus dem Publikum dazu.

Nach einer kurzen Pause, in der wir uns etwas zu Essen besorgten, positionierte ich mich vor der Bühne, da die Band 'Punch`n`Judy' bald spielen sollte. Die Crossover Folk Musik riss die Menge mit und schnell war der gesamte Bereich vor der 'Walhalla Stage' voll von tanzenden Feen, Satyren und anderen Fabelwesen.

Doch leider mussten wir das Konzert frühzeitig verlassen, da wir auf der 'Vampire Stage' 'Maledictus' sehen wollten, die zum Schluss die 'Midnight Hunter'-Show vorstellten und eine Geschichte von Abraham van Helsing erzählte, der sich gegen Vampire behauptete. Feuereffekte und van Helsings Coolness waren die besonderen Höhepunkte der doch recht kurzen Aufführung, die stumm aber mit Musik untermalt, präsentiert wurde und bot somit einen würdigen Abschluss eines zehnstündigen Ausflug in eine magische Welt.

Maledictus: Midnight Hunter

Dies war mein dritter Besuch dieses phantastischen Festivals und eins steht fest: Ich komme wieder, und vielleicht nächstes Jahr mit einem etwas extravaganterem Kostüm.


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