Ein Tal fängt Feuer, Tag 1
25.08.2012
In strahlendem Sonnenschein lag die
Wuppertaler Hardt da, als die ersten dunkel gekleideten Gestalten das
Gelände betraten und sich einen Platz vor der Waldbühne sicherten.
Die kleine überdachte Bühne, die sonst Theater und eher ruhige
Konzerte beheimatet würde an diesem Tag in Flammen stehen, denn das
bergische Land rief zum Feuertal Festival.
Zum neunten Mal wurde es zelebriert,
doch dieses Mal sollte zwei ganze Tage gefeiert werden. Dafür hatte
man sogar das alte Freibad in der Mirke zum Campingplatz
umfunktioniert, sodass das kleine Fest zu einem mehr oder weniger
erwachsenen Festival wachsen konnte. Kurzurlaub inklusive. Da durfte
aber auch der traditionelle kleine Mittelaltermarkt nicht fehlen, der
das Feuertal jedes Jahr treu begleitet hat. Dort fand man auch in
diesem Jahr Merchandise, allerlei andere Kleidung, etwas zu Essen und
noch einiges mehr, was man einem so kleinen Markt möglicherweise
nicht zugetraut hätte.
Nach dem Einlass um 14:00 Uhr füllte
sich das Gelände auf Grund des Marktes eher mäßig, da viele
Besucher an den Ständen hängen blieben und zuerst durch die Waren
stöberten, bevor sie sich vor die Bühne begaben. In der Hardt ist
es nicht einmal nötig sich einen Platz in der ersten Reihe zu
reservieren, da die Anlage in Stufen gebaut ist und man von überall,
als stünde man auf einer Tribüne, das Spektakel der Musiker sehen
kann.
Als Auftakt des Tages hüpften
'Punch´n´Judy' über die Bühne. Mit ihrem Folkmetal und ihrer
fröhlichen Art, als sei der schönste Tag ihres Lebens, ließen sie
die Meute tanzen. Alle Müdigkeit schien vergessen. Die ersten
Spielleute des Festivals wurden sogar mit einem kleinen Circle Pit
belohnt, der aus sechs oder acht Leuten bestand. Aber auch wenn das
Publikum nicht rappel voll war, so haben es Punch´n´Judy doch
geschafft das Feuertal mit Würde einzuleiten.
In den Umbaupausen kam 'Eric Fish'
(Subway to sally) auf die Bühne, um die nachfolgende Band mit einem
Lied, das zu deren Musik passt, einzuleiten und den Leuten so auch
die Langeweile zu nehmen, die während der Musik freien Zeit
entsteht, so lange die Techniker über die Bühne rennen.
So präsentierte Eric das
'Feuertal-Lied', das er eigens für dieses Festival geschrieben
hatte.
Als zweite Band war eigentlich
'Dunkelschön' angekündigt, die jedoch kurzfristig aus
gesundheitlichen Gründen absagen mussten. Spontan sind daher
'Wolfenmond' für ihre Kollegen eingesprungen. Mit Didgeridoo und
sehr basslastiger Hintergrundmusik waren die drei Wölfe sicherlich
nichts für jedermann, aber dennoch füllte sich das Gelände stetig,
was aber auch an den nachfolgenden Bands liegen mag. Hoch anzurechnen
ist 'Wolfenmond' allerdings, dass sie während ihrer Ansagen immer
wieder 'Dunkelschön' grüßten und ihnen Besserungswünsche, aber
auch Danksagungen schenkten, da sie ohne sie gar nicht auf der Bühne
zu Wuppertal hätten stehen können. Das sollte auch dem letzten
Grisgram, der sauer war, 'Dunkelschön' nicht erleben zu können, ein
Lächeln auf die Lippen gezaubert haben.
Im Anschluss wurde für des Hauptmanns
Haufen von 'Feuerschwanz' umgebaut. Vor der Bühne wurde es zusehends
eng und anstatt leere Hände wurden Methörner in die Luft gereckt.
Als Johanna von der Vögelweide (Geige)
auf die Bühne trat wurden Pfiffe und Rufe – vor allem aus
Männerkehlen – laut, da sie wieder unverschämt gut aussah und ein
sexy Dekollete präsentierte. Dass sich der Hauptmann (Gesang) bei
einer solchen Gesellschaft noch auf die Musik konzentrieren konnte,
schein an ein Wunder zu grenzen.
Bei diesem 'Feuerschwanz'-Konzert waren
sogar die Miezen des Haufens dabei, denn ihr gesanglicher Part bei
'Jungfernkranz', ihr Tanz und ihre technischen Fähigkeiten mit der
Metmaschine (MAMA) durften bei einem solch sonnigen Ereignis auf
keinen Fall fehlen. Spätestens bei dem Song 'Metmaschine' wurde auch
dem letzten klar, warum so viele Menschen Methörner in die Höhe
hielten und die Miezen plötzlich in Blaumännern über die Bühne
liefen, denn sie verteilten die Schläuche der Maschine in die Menge,
damit möglichst viele Fans einen Schluck Met ergattern konnten.
Nach vollen 70 Minuten voller
Sauflieder, einer männlichen Fee - bei 'Wunsch ist Wunsch' – und
anderen verrückten Liedern, ganz im 'Feuerschwanz'-Stil, verließ
der Haufen die Bühne und es wurde wieder umgebaut. Bevor 'Eric Fish'
dieses Mal die Stimme erhob, führte er eine junge Frau ans Mikro,
die wohl etwas wichtiges zu sagen hatte, und so wurde das ganze
Feuertal Zeuge eines ziemlich nervös gestellten Heiratsantrag, der
bei einer solchen Resonanz der Feierwütigen natürlich angenommen
werden musste.
So wurde das Publikum noch etwas
hochgepusht, da nun die niederländische Gruppe 'Omnia' kommen
sollte. Demnach wurden sie mit einem rasenden Applaus empfangen und
legten auch sofort los. Wie schon 'Wolfenmond' brachten sie ein
Didgeridoo mit, setzten es jedoch ganz anders ein. Ihre Musik wirkte
harmonisch, so als seien die Musiker vollkommen im Einklang mit sich
selbst und mit der Welt.
All das, was sie in ihrem Konzert
vermittelten, lag auch in ihrem Gesang und Lebensstil. Alternativ und
mit Fellen gekleidet boten sie einen ganz anderen Anblick als noch
'Feuerschwanz' zuvor. Natürlich aussehende Tattowierungen, kleine
Tierknochen an Kleidung und Deko so wie Federn im Haar und als
Schmuck taten dazu ihr Übriges. Von der Bühne strahlte die pure
Natur, was eins zu eins auf die Waldbühne in der Hardt passte. Dazu
gab es wunderschöne Songs, wie 'I don´t speak human', in dem Sic
(Gesang etc.) und Jenny (Harfe etc.) die Menschheit anprangern, dass
sie die Welt zerstört und Tieren keine nötige Beachtung schenkt.
Aufgeheizt, träumend und auch ein
wenig nachdenklich ließen 'Omnia' die Leute zu Wuppertal zurück und
man merkte deutlich, dass nun der Höhepunkt des Tages gekommen war,
da die gesamten Stufen vor der Bühne voller Menschen waren. Man
hatte es nicht einmal mitbekommen, dass 'Omnia' so viele Leute
angelockt hatte und alle nun dicht an dicht standen.
Nach einem letzten Lied von 'Eric Fish'
und seinem Dank an das Publikum, betrat 'Schandmaul' die Bühne.
Zuerst einmal verblüffte das Bild, das
sich den Leuten bot, denn 'Schandmaul' kam in neuer Besetzung, was
Thomas aber nach dem ersten Lied sofort erklärte. Anna und Birgit
sind vor kurzem beide Mutter geworden, sodass deren musikalische
Parts von Ally the Fiddle (Geige), Benedikt Dreher (Flöten) und
Kristina (Dudelsack) übernommen wurden. Von diesem ungewohnten
Auftreten ließen sich die Fans, aber nicht beirren und feierten mit
Schandmaul, als gäbe es keinen Morgen. Thomas versprach, dass es
„einige alte Schinken“ zu hören geben werde und diese
Erwartungen wurden mit 'Vogelfrei', 'Goldene Kette' und anderen
Titeln nicht enttäuscht. Teilweise wurden bei den „Schnulzen“
Smartphones statt Feuerzeuge verlangt, da Thomas eine „Milchstraße“
sehen wollte. Als dann doch mehr Feuer als Technik zu sehen war, war
er dann doch stolz, dass noch so viele Menschen Feuerzeuge dabei
hatten.
Zum Schluss spielten die Schandmäuler
noch ein Spiel mit den Leuten, die dabei lachend und wohl noch nie so
fröhlich zu Zombies wurden. Dies zu erklären würde wohl zu weit
gehen, dafür muss man bei einem 'Schandmaul'-Jonzert dabei gewesen
sein.
Pünktlich verließen 'Schandmaul' dann
die Bühne, da man auf die Anwohner Rücksicht nehmen musste, denen
diese Art von Musik möglicherweise nicht so schätzten, wie die
Feuertaler. Mit einem ganz persönlichem Lied, das nach der ersten
Strophe alle mitsingen konnten, verabschiedeten sich die Schandmäuler
und schickten die Feierwütigen in die Nacht oder auf die After-Show
Party in der Börse, wo DJ Dalecooper den Unermüdlichen nocheinmal
ordentlich einheizte.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen