Sonntag, 2. September 2012

Ein Tal fängt Feuer, Tag 1

25.08.2012

In strahlendem Sonnenschein lag die Wuppertaler Hardt da, als die ersten dunkel gekleideten Gestalten das Gelände betraten und sich einen Platz vor der Waldbühne sicherten. Die kleine überdachte Bühne, die sonst Theater und eher ruhige Konzerte beheimatet würde an diesem Tag in Flammen stehen, denn das bergische Land rief zum Feuertal Festival.

Zum neunten Mal wurde es zelebriert, doch dieses Mal sollte zwei ganze Tage gefeiert werden. Dafür hatte man sogar das alte Freibad in der Mirke zum Campingplatz umfunktioniert, sodass das kleine Fest zu einem mehr oder weniger erwachsenen Festival wachsen konnte. Kurzurlaub inklusive. Da durfte aber auch der traditionelle kleine Mittelaltermarkt nicht fehlen, der das Feuertal jedes Jahr treu begleitet hat. Dort fand man auch in diesem Jahr Merchandise, allerlei andere Kleidung, etwas zu Essen und noch einiges mehr, was man einem so kleinen Markt möglicherweise nicht zugetraut hätte.

Nach dem Einlass um 14:00 Uhr füllte sich das Gelände auf Grund des Marktes eher mäßig, da viele Besucher an den Ständen hängen blieben und zuerst durch die Waren stöberten, bevor sie sich vor die Bühne begaben. In der Hardt ist es nicht einmal nötig sich einen Platz in der ersten Reihe zu reservieren, da die Anlage in Stufen gebaut ist und man von überall, als stünde man auf einer Tribüne, das Spektakel der Musiker sehen kann.

Als Auftakt des Tages hüpften 'Punch´n´Judy' über die Bühne. Mit ihrem Folkmetal und ihrer fröhlichen Art, als sei der schönste Tag ihres Lebens, ließen sie die Meute tanzen. Alle Müdigkeit schien vergessen. Die ersten Spielleute des Festivals wurden sogar mit einem kleinen Circle Pit belohnt, der aus sechs oder acht Leuten bestand. Aber auch wenn das Publikum nicht rappel voll war, so haben es Punch´n´Judy doch geschafft das Feuertal mit Würde einzuleiten.

In den Umbaupausen kam 'Eric Fish' (Subway to sally) auf die Bühne, um die nachfolgende Band mit einem Lied, das zu deren Musik passt, einzuleiten und den Leuten so auch die Langeweile zu nehmen, die während der Musik freien Zeit entsteht, so lange die Techniker über die Bühne rennen.

So präsentierte Eric das 'Feuertal-Lied', das er eigens für dieses Festival geschrieben hatte.

Als zweite Band war eigentlich 'Dunkelschön' angekündigt, die jedoch kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen absagen mussten. Spontan sind daher 'Wolfenmond' für ihre Kollegen eingesprungen. Mit Didgeridoo und sehr basslastiger Hintergrundmusik waren die drei Wölfe sicherlich nichts für jedermann, aber dennoch füllte sich das Gelände stetig, was aber auch an den nachfolgenden Bands liegen mag. Hoch anzurechnen ist 'Wolfenmond' allerdings, dass sie während ihrer Ansagen immer wieder 'Dunkelschön' grüßten und ihnen Besserungswünsche, aber auch Danksagungen schenkten, da sie ohne sie gar nicht auf der Bühne zu Wuppertal hätten stehen können. Das sollte auch dem letzten Grisgram, der sauer war, 'Dunkelschön' nicht erleben zu können, ein Lächeln auf die Lippen gezaubert haben.

Im Anschluss wurde für des Hauptmanns Haufen von 'Feuerschwanz' umgebaut. Vor der Bühne wurde es zusehends eng und anstatt leere Hände wurden Methörner in die Luft gereckt.

Als Johanna von der Vögelweide (Geige) auf die Bühne trat wurden Pfiffe und Rufe – vor allem aus Männerkehlen – laut, da sie wieder unverschämt gut aussah und ein sexy Dekollete präsentierte. Dass sich der Hauptmann (Gesang) bei einer solchen Gesellschaft noch auf die Musik konzentrieren konnte, schein an ein Wunder zu grenzen.

Bei diesem 'Feuerschwanz'-Konzert waren sogar die Miezen des Haufens dabei, denn ihr gesanglicher Part bei 'Jungfernkranz', ihr Tanz und ihre technischen Fähigkeiten mit der Metmaschine (MAMA) durften bei einem solch sonnigen Ereignis auf keinen Fall fehlen. Spätestens bei dem Song 'Metmaschine' wurde auch dem letzten klar, warum so viele Menschen Methörner in die Höhe hielten und die Miezen plötzlich in Blaumännern über die Bühne liefen, denn sie verteilten die Schläuche der Maschine in die Menge, damit möglichst viele Fans einen Schluck Met ergattern konnten.

Nach vollen 70 Minuten voller Sauflieder, einer männlichen Fee - bei 'Wunsch ist Wunsch' – und anderen verrückten Liedern, ganz im 'Feuerschwanz'-Stil, verließ der Haufen die Bühne und es wurde wieder umgebaut. Bevor 'Eric Fish' dieses Mal die Stimme erhob, führte er eine junge Frau ans Mikro, die wohl etwas wichtiges zu sagen hatte, und so wurde das ganze Feuertal Zeuge eines ziemlich nervös gestellten Heiratsantrag, der bei einer solchen Resonanz der Feierwütigen natürlich angenommen werden musste.

So wurde das Publikum noch etwas hochgepusht, da nun die niederländische Gruppe 'Omnia' kommen sollte. Demnach wurden sie mit einem rasenden Applaus empfangen und legten auch sofort los. Wie schon 'Wolfenmond' brachten sie ein Didgeridoo mit, setzten es jedoch ganz anders ein. Ihre Musik wirkte harmonisch, so als seien die Musiker vollkommen im Einklang mit sich selbst und mit der Welt.

All das, was sie in ihrem Konzert vermittelten, lag auch in ihrem Gesang und Lebensstil. Alternativ und mit Fellen gekleidet boten sie einen ganz anderen Anblick als noch 'Feuerschwanz' zuvor. Natürlich aussehende Tattowierungen, kleine Tierknochen an Kleidung und Deko so wie Federn im Haar und als Schmuck taten dazu ihr Übriges. Von der Bühne strahlte die pure Natur, was eins zu eins auf die Waldbühne in der Hardt passte. Dazu gab es wunderschöne Songs, wie 'I don´t speak human', in dem Sic (Gesang etc.) und Jenny (Harfe etc.) die Menschheit anprangern, dass sie die Welt zerstört und Tieren keine nötige Beachtung schenkt.

Aufgeheizt, träumend und auch ein wenig nachdenklich ließen 'Omnia' die Leute zu Wuppertal zurück und man merkte deutlich, dass nun der Höhepunkt des Tages gekommen war, da die gesamten Stufen vor der Bühne voller Menschen waren. Man hatte es nicht einmal mitbekommen, dass 'Omnia' so viele Leute angelockt hatte und alle nun dicht an dicht standen.

Nach einem letzten Lied von 'Eric Fish' und seinem Dank an das Publikum, betrat 'Schandmaul' die Bühne.

Zuerst einmal verblüffte das Bild, das sich den Leuten bot, denn 'Schandmaul' kam in neuer Besetzung, was Thomas aber nach dem ersten Lied sofort erklärte. Anna und Birgit sind vor kurzem beide Mutter geworden, sodass deren musikalische Parts von Ally the Fiddle (Geige), Benedikt Dreher (Flöten) und Kristina (Dudelsack) übernommen wurden. Von diesem ungewohnten Auftreten ließen sich die Fans, aber nicht beirren und feierten mit Schandmaul, als gäbe es keinen Morgen. Thomas versprach, dass es „einige alte Schinken“ zu hören geben werde und diese Erwartungen wurden mit 'Vogelfrei', 'Goldene Kette' und anderen Titeln nicht enttäuscht. Teilweise wurden bei den „Schnulzen“ Smartphones statt Feuerzeuge verlangt, da Thomas eine „Milchstraße“ sehen wollte. Als dann doch mehr Feuer als Technik zu sehen war, war er dann doch stolz, dass noch so viele Menschen Feuerzeuge dabei hatten.

Zum Schluss spielten die Schandmäuler noch ein Spiel mit den Leuten, die dabei lachend und wohl noch nie so fröhlich zu Zombies wurden. Dies zu erklären würde wohl zu weit gehen, dafür muss man bei einem 'Schandmaul'-Jonzert dabei gewesen sein.

Pünktlich verließen 'Schandmaul' dann die Bühne, da man auf die Anwohner Rücksicht nehmen musste, denen diese Art von Musik möglicherweise nicht so schätzten, wie die Feuertaler. Mit einem ganz persönlichem Lied, das nach der ersten Strophe alle mitsingen konnten, verabschiedeten sich die Schandmäuler und schickten die Feierwütigen in die Nacht oder auf die After-Show Party in der Börse, wo DJ Dalecooper den Unermüdlichen nocheinmal ordentlich einheizte.

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