Montag, 3. September 2012

Ein Tal fängt Feuer, Tag 2



26.08.2012

Ein Blick aus dem Fenster sagte: „Heute werden wir nass!“ Und diese Vermutung war nicht übertrieben, denn schon morgens gegen 12:00 schüttete es wie aus Kübeln. Die Erwartung eines gefüllten Festival-Geländes, wie am Tag zuvor, schien ziemlich unwahrscheinlich.

Wieder 14:00 Uhr Einlass. Wie erwartet füllte sich das Gelände nicht so zügig, wie am tag zuvor. Die Schlammlöcher, die sich vor der Bühne gebildet hatten, wurden größten teils gemieden und umgangen, dennoch kam keiner darum herum am Ende mit schlammbedeckten Schuhen nach Hause zu gehen.

Voller Aggression, Euphorie und einer Menge Feuer in der Musik betraten 'Schock' die Bühne und ließen den wenigen Menschen, die sich schon in den Regen gewagt hatten, diesen ganz schnell vergessen. Und auch der Matsch wurde ignoriert. Ein paar Tanzende trieben es, passend zu der schockenden Musik, so wild, dass sie sich auf die Erde pogten und eine regelrechte Schlammschlacht begann, von der sich aber die meisten Umstehenden versuchen fernzuhalten. So schafften es 'Schock' allerdings, den zweiten Festival-Tag würdig einzuleiten, ohne vom Regen fortgespült zu werden, denn der Himmel war zu dieser Zeit gnädig.

Wie schon im Jahr und am Tag zuvor, moderierte 'Eric Fish' auch an diesem Sonntag erneut das Geschehen und widmete auch dieses Mal jeder Band einen ganz besonderen Song. Auf besonderen Wunsch hin, erklang in einer Umbaupause sogar wieder das Feuertal-Lied.


Als Vorband von 'ASP' bekannt geworden, betraten als zweite Band des Tages 'Lahannya' die Bühne und boten neben ihre eintönigen Musik einen besonderen Anblick. Lahannya (Sängerin) selbst trat in Corsage und Schlüpfer hinter das Mikrophon und zog damit beinahe jeden Blick auf sich, jedoch konnte die Erscheinung leider nicht davon ablenken, dass sich so gut wie jeder Song, den sie spielten, ähnlich anhörte und auch die Bewegungen der Sängerin irgendwie mechanisch und künstlich wirkten, schade!

Zuvor noch skeptisch gewesen, mochte man es nun kaum glauben, denn abgesehen von ein paar Tropfen und einem kleineren Regenschauer, war es überraschender Weise trocken geblieben und das war an der Stimmung und der Menschenzahl, die plötzlich das Gelände bevölkerten, spürbar.

Möglicherweise lag es aber auch daran, dass nach dem dritten Auftritt 'Eric Fishs' die Jungs von 'Lacrimas Profundere' ins Scheinwerferlicht traten. Ziemlich locker und losgelöst standen sie da, in Jogginghose oder zerfetzter Jeans. Lässig rauchte Sänger Roberto Vitacca zwischen den Atempausen im ersten Song seine letzte Zigarette.

Die rockigen Klänge, die dabei jedoch von der Bühne schallten, zeigten eine ganz andere Seite der Band und trotz ein wenig Wasser, das vom Himmel tropfte, feierte das Volk zu Wuppertal ausgiebig mit und alle Kälte, alle Nässe und auch der Schlamm schien vergessen zu sein, da die Stufen vor der Waldbühne ordentlich gefüllt waren und auch in den tiefsten Matschlöchern wieder Stiefel versanken. In ihren 70 Minuten Spielzeit heizten die Jungs allen mächtig ein und das zwischendurch sogar mit einem solchen Gefühl, dass es dem ein oder anderen den Atem hätte rauben können. Wie sehr Roberto Vitacca die Musik und das Konzert genoss, konnte jeder, der näher an der Bühne stand sofort sehen, denn entweder singt man mit geschlossenen Augen, wenn man in den Tönen versinkt, oder aber man möchte sein Publikum nicht sehen, wobei letzteres bei dem Erlebnis eher unwahrscheinlich scheint.

Nach einer weiteren Umbaupause, wurde es auf der Bühne wieder mittelalterlich, denn als nächstes wurden die Spielleute von 'Faun' erwartet. Und man kann definitiv sagen, dass die Erwartungen erfüllt wurden. Natürlich und mit einem hölzern aussehenden Macbook ausgestattet betraten sie die Bühne und rockten auf ihre ganz eigene Art und Weise die Wuppertaler Hardt, obwohl es mittlerweile regnete, als gäbe es einen Morgen. Schon nach dem ersten Song war jeder einzelne so nass, als käme er gerade erst aus der Dusche, aber wer denkt bei so einer fesselnden Musik an Regenschirme? Und die, die ihre Schirme aufgespannt hatten, wurden ganz schnell dazu gebracht, diese wieder zu schließen und einfach das Konzert zu genießen, da sie damit die Sicht für andere versperrten.

Am Tag zuvor konnte man die Spielleute noch ganz vorne am Rand der Bühne stehen sehen, doch nun hatten sie sich alle unter die Überdachung zurückgezogen und kamen nur selten nach vorne, doch auch wenn die Musiker dicht zusammengedrängt spielen mussten, tat dies dem Sound von 'Faun' keinen Abbruch und der Stimmung der Leute auch nicht.

Nach weiteren 70 Minuten fantastischer Spielzeit verließen 'Faun' trocken die nasse Bühne. Allerdings war aufgefallen, dass sie viel weniger mit dem Publikum agiert haben, als alle anderen Bands des Wochenendes, was eventuell aber an der Wettersituation liegen mochte. Gute Musik konnte man jedoch nicht vermissen.

Ein letztes Mal betrat nun 'Eric Fish' die Bühne, ein letztes Mal sang er ein Lied und ein letztes Mal wurde die Kulisse umgebaut. Wer jedoch wieder an die Gitarre trat war Lutz Demmler (Gitarre), der schon bei 'Lahannya' auf der Bühne gestanden hatte. Nun jedoch bot er seine Musik der Band 'ASP', die als Headliner an diesem ersten, zweiten Festival-Tag ein besonderes Highlight boten, denn sie hatten eine Pyro-Show vorbereitet, wofür man erst die ganzen Planen und Abdeckungen, die den Tag lang darüber gelegen hatten, entfernen musste.

Als die Bühne fertig präpariert war und 'ASP' ins Licht der dunkel gewordenen Waldbühne traten gab es einen weiteren schrecklichen Regenschauer, bei dem alle, die noch nicht nass geworden waren, nun auf jeden Fall bis auf die Knochen durchgeweicht waren. Allerdings wärmte schon direkt das erste Lied die Menge so auf, dass die Euphorie auch auf den letzten Menschen auf dem Gelände abfärben musste. Als es dann schließlich hieß 'Und wir tanzten', wurde die Meute sogar mit weißem Schaum besprüht, wodurch man sich fühlte, als stünde man wirklich im Schnee, so zumindest der Anblick, den man aus etwas Entfernung, hatte. So ging es mit Liedern wie 'Der schwarze Schmetterling' und 'Eisige Wirklichkeit' weiter, bis ASP (Sänger) behauptete, alle Menschen, die Fotos machen würden, sähen aus wie Zyklopen. Aus diesem Grund bat er jeden einzelnen, Kameras und Handys wegzupacken und einfach nur mit ihnen zu feiern, jedoch bot er allen noch bei einem Lied die Möglichkeit gute Fotos zu schießen und machte sich einen Spaß daraus, für alle zu posieren und sich sogar seinen Mantel immer ein Stück weiter auszuziehen.

Mit den Zugaben 'Rücken an Rücken', bei denen sich das Publikum passend zum Song umdrehen musste, und dem Klassiker 'Ich will brennen', bei dem es noch richtig heiß auf der Bühne und auch in der Menge wurde, verabschiedeten sich 'ASP' pünklich von den Wuppertalern und wünschten eine gute Nacht.

Aufgeheizt ging es nun für alle nach Hause, da die meisten am nächsten Tag arbeiten mussten und es ohnehin keine weitere After-Show-Party mehr gab.

Das Feiern in der Hardt vor der Waldbühne ging zu Ende und der Termin für das nächste Feuertal-Festival wurde schon fleißig in alle möglichen Kalender geschrieben.


Nachtrag: Da mir bei besagtem Regenschauer beim 'Faun'-Konzert die Kamera abgesoffen ist und sie dann bei 'ASP' total gestreikt hat, war Daniel Beiderwieden so nett mir seine Fotos zu Verfügung zu stellen. An dieser Stelle bedanke ich mich noch einmal ganz herzlich dafür bei ihm.

Wenn ihr noch mehr von ihm sehen wollt, klickt hier.


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