Ein Tal fängt Feuer, Tag 2
26.08.2012
Ein Blick aus dem Fenster sagte: „Heute
werden wir nass!“ Und diese Vermutung war nicht übertrieben, denn
schon morgens gegen 12:00 schüttete es wie aus Kübeln. Die
Erwartung eines gefüllten Festival-Geländes, wie am Tag zuvor,
schien ziemlich unwahrscheinlich.
Wieder 14:00 Uhr Einlass. Wie erwartet
füllte sich das Gelände nicht so zügig, wie am tag zuvor. Die
Schlammlöcher, die sich vor der Bühne gebildet hatten, wurden
größten teils gemieden und umgangen, dennoch kam keiner darum herum
am Ende mit schlammbedeckten Schuhen nach Hause zu gehen.
Voller Aggression, Euphorie und einer
Menge Feuer in der Musik betraten 'Schock' die Bühne und ließen den
wenigen Menschen, die sich schon in den Regen gewagt hatten, diesen
ganz schnell vergessen. Und auch der Matsch wurde ignoriert. Ein paar
Tanzende trieben es, passend zu der schockenden Musik, so wild, dass
sie sich auf die Erde pogten und eine regelrechte Schlammschlacht
begann, von der sich aber die meisten Umstehenden versuchen
fernzuhalten. So schafften es 'Schock' allerdings, den zweiten
Festival-Tag würdig einzuleiten, ohne vom Regen fortgespült zu
werden, denn der Himmel war zu dieser Zeit gnädig.
Wie schon im Jahr und am Tag zuvor,
moderierte 'Eric Fish' auch an diesem Sonntag erneut das Geschehen
und widmete auch dieses Mal jeder Band einen ganz besonderen Song.
Auf besonderen Wunsch hin, erklang in einer Umbaupause sogar wieder
das Feuertal-Lied.
Als Vorband von 'ASP' bekannt geworden,
betraten als zweite Band des Tages 'Lahannya' die Bühne und boten
neben ihre eintönigen Musik einen besonderen Anblick. Lahannya
(Sängerin) selbst trat in Corsage und Schlüpfer hinter das
Mikrophon und zog damit beinahe jeden Blick auf sich, jedoch konnte
die Erscheinung leider nicht davon ablenken, dass sich so gut wie
jeder Song, den sie spielten, ähnlich anhörte und auch die
Bewegungen der Sängerin irgendwie mechanisch und künstlich wirkten,
schade!
Zuvor noch skeptisch gewesen, mochte
man es nun kaum glauben, denn abgesehen von ein paar Tropfen und
einem kleineren Regenschauer, war es überraschender Weise trocken
geblieben und das war an der Stimmung und der Menschenzahl, die
plötzlich das Gelände bevölkerten, spürbar.
Möglicherweise lag es aber auch daran,
dass nach dem dritten Auftritt 'Eric Fishs' die Jungs von 'Lacrimas
Profundere' ins Scheinwerferlicht traten. Ziemlich locker und
losgelöst standen sie da, in Jogginghose oder zerfetzter Jeans.
Lässig rauchte Sänger Roberto Vitacca zwischen den Atempausen im
ersten Song seine letzte Zigarette.
Die rockigen Klänge, die dabei jedoch
von der Bühne schallten, zeigten eine ganz andere Seite der Band und
trotz ein wenig Wasser, das vom Himmel tropfte, feierte das Volk zu
Wuppertal ausgiebig mit und alle Kälte, alle Nässe und auch der
Schlamm schien vergessen zu sein, da die Stufen vor der Waldbühne
ordentlich gefüllt waren und auch in den tiefsten Matschlöchern
wieder Stiefel versanken. In ihren 70 Minuten Spielzeit heizten die
Jungs allen mächtig ein und das zwischendurch sogar mit einem
solchen Gefühl, dass es dem ein oder anderen den Atem hätte rauben
können. Wie sehr Roberto Vitacca die Musik und das Konzert genoss,
konnte jeder, der näher an der Bühne stand sofort sehen, denn
entweder singt man mit geschlossenen Augen, wenn man in den Tönen
versinkt, oder aber man möchte sein Publikum nicht sehen, wobei
letzteres bei dem Erlebnis eher unwahrscheinlich scheint.
Nach einer weiteren Umbaupause, wurde
es auf der Bühne wieder mittelalterlich, denn als nächstes wurden
die Spielleute von 'Faun' erwartet. Und man kann definitiv sagen,
dass die Erwartungen erfüllt wurden. Natürlich und mit einem
hölzern aussehenden Macbook ausgestattet betraten sie die Bühne und
rockten auf ihre ganz eigene Art und Weise die Wuppertaler Hardt,
obwohl es mittlerweile regnete, als gäbe es einen Morgen. Schon nach
dem ersten Song war jeder einzelne so nass, als käme er gerade erst
aus der Dusche, aber wer denkt bei so einer fesselnden Musik an
Regenschirme? Und die, die ihre Schirme aufgespannt hatten, wurden
ganz schnell dazu gebracht, diese wieder zu schließen und einfach
das Konzert zu genießen, da sie damit die Sicht für andere
versperrten.
Am Tag zuvor konnte man die Spielleute
noch ganz vorne am Rand der Bühne stehen sehen, doch nun hatten sie
sich alle unter die Überdachung zurückgezogen und kamen nur selten
nach vorne, doch auch wenn die Musiker dicht zusammengedrängt
spielen mussten, tat dies dem Sound von 'Faun' keinen Abbruch und der
Stimmung der Leute auch nicht.
Nach weiteren 70 Minuten fantastischer
Spielzeit verließen 'Faun' trocken die nasse Bühne. Allerdings war
aufgefallen, dass sie viel weniger mit dem Publikum agiert haben, als
alle anderen Bands des Wochenendes, was eventuell aber an der
Wettersituation liegen mochte. Gute Musik konnte man jedoch nicht
vermissen.
Ein letztes Mal betrat nun 'Eric Fish'
die Bühne, ein letztes Mal sang er ein Lied und ein letztes Mal
wurde die Kulisse umgebaut. Wer jedoch wieder an die Gitarre trat war
Lutz Demmler (Gitarre), der schon bei 'Lahannya' auf der Bühne
gestanden hatte. Nun jedoch bot er seine Musik der Band 'ASP', die
als Headliner an diesem ersten, zweiten Festival-Tag ein besonderes
Highlight boten, denn sie hatten eine Pyro-Show vorbereitet, wofür
man erst die ganzen Planen und Abdeckungen, die den Tag lang darüber
gelegen hatten, entfernen musste.
Als die Bühne fertig präpariert war
und 'ASP' ins Licht der dunkel gewordenen Waldbühne traten gab es
einen weiteren schrecklichen Regenschauer, bei dem alle, die noch
nicht nass geworden waren, nun auf jeden Fall bis auf die Knochen
durchgeweicht waren. Allerdings wärmte schon direkt das erste Lied
die Menge so auf, dass die Euphorie auch auf den letzten Menschen auf
dem Gelände abfärben musste. Als es dann schließlich hieß 'Und
wir tanzten', wurde die Meute sogar mit weißem Schaum besprüht,
wodurch man sich fühlte, als stünde man wirklich im Schnee, so
zumindest der Anblick, den man aus etwas Entfernung, hatte. So ging
es mit Liedern wie 'Der schwarze Schmetterling' und 'Eisige
Wirklichkeit' weiter, bis ASP (Sänger) behauptete, alle Menschen,
die Fotos machen würden, sähen aus wie Zyklopen. Aus diesem Grund
bat er jeden einzelnen, Kameras und Handys wegzupacken und einfach
nur mit ihnen zu feiern, jedoch bot er allen noch bei einem Lied die
Möglichkeit gute Fotos zu schießen und machte sich einen Spaß
daraus, für alle zu posieren und sich sogar seinen Mantel immer ein
Stück weiter auszuziehen.
Mit den Zugaben 'Rücken an Rücken',
bei denen sich das Publikum passend zum Song umdrehen musste, und dem
Klassiker 'Ich will brennen', bei dem es noch richtig heiß auf der
Bühne und auch in der Menge wurde, verabschiedeten sich 'ASP'
pünklich von den Wuppertalern und wünschten eine gute Nacht.
Aufgeheizt ging es nun für alle nach
Hause, da die meisten am nächsten Tag arbeiten mussten und es
ohnehin keine weitere After-Show-Party mehr gab.
Das Feiern in der Hardt vor der
Waldbühne ging zu Ende und der Termin für das nächste
Feuertal-Festival wurde schon fleißig in alle möglichen Kalender
geschrieben.
Nachtrag: Da mir bei besagtem
Regenschauer beim 'Faun'-Konzert die Kamera abgesoffen ist und sie
dann bei 'ASP' total gestreikt hat, war Daniel Beiderwieden so nett
mir seine Fotos zu Verfügung zu stellen. An dieser Stelle bedanke
ich mich noch einmal ganz herzlich dafür bei ihm.
Wenn ihr noch mehr von ihm sehen wollt,
klickt hier.
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